Schneller klinischer Rückgang nach Off-Label-Impfung mit LetiFend® bei caniner Leishmaniose: ein Fallbericht
Werner T, Rămneanţu M, Naucke TJ. Vaccines 2026; 14(9): 818. Open Access. DOI: 10.3390/vaccines14090818
Worum es geht
Die canine Leishmaniose (Leishmania infantum) lässt sich bei schwer erkrankten Hunden oft nur schwer behandeln, vor allem wenn etablierte Medikamente nicht praktikabel oder nicht verträglich sind. Der Fallbericht beschreibt einen solchen Hund und einen ungewöhnlichen Therapieversuch.
Der Fall
Ein etwa dreijähriger Mischlingsrüde wurde 2021 in schlechtem Zustand und mit mindestens 15 Zecken (Rhipicephalus sanguineus) in Sardinien gefunden. Nach Antibiose und intensiver Pflege erholte er sich zunächst und wurde im April 2022 nach Deutschland vermittelt. Dort zeigte die Untersuchung eine klinisch manifeste Leishmaniose mit Anämie, Thrombozytopenie, ausgeprägter Hyperglobulinämie (Albumin/Globulin-Quotient 0,4) und einem IFAT-Titer von 1:4000.
Verlauf
Unter Allopurinol (5 mg/kg zweimal täglich) verschlechterte sich der Hund erheblich: Er fraß und trank nicht mehr, erbrach und hatte Durchfall. Miltefosin und Meglumin-Antimoniat kamen bei diesem stark geschwächten Tier nicht infrage. Nach wenigen Tagen wurde Allopurinol abgesetzt und einmalig eine volle Dosis LetiFend® subkutan verabreicht, im Rahmen der Umwidmungskaskade nach der Verordnung (EU) 2019/6.
Etwa zehn Tage später besserte sich der Zustand, nach drei Wochen war der Hund weitgehend wieder normal aktiv. Die Blutwerte normalisierten sich, der Albumin/Globulin-Quotient stieg auf 1,0 und die Gammaglobulin-Fraktion sank. Die IFAT-Titer folgten dem klinischen Bild nicht: Sie fielen zunächst auf 1:1000, stiegen dann wieder und lagen nach 24 Monaten erneut bei 1:4000. Titer allein sind also kein verlässlicher Marker für die Krankheitsaktivität.
Einordnung
Der Hund erhielt in der Folge Domperidon, und 2024 wurde Allopurinol nach einer vorübergehenden Verschlechterung der Laborwerte zeitweise wieder eingesetzt. Bis Juli 2026 blieb er klinisch gesund. Der langfristige Verlauf lässt sich deshalb nicht allein der Impfung zuschreiben. Nur die rasche Erstbesserung stand in engem zeitlichem Zusammenhang mit LetiFend®.
Als Einzelfall ohne Kontrollgruppe kann die Arbeit keine Wirksamkeit belegen. Parasitenlast und zelluläre Immunantwort wurden nicht gemessen. Sie versteht sich als hypothesengenerierende Beobachtung, die kontrollierte Studien zur therapeutischen Impfung als mögliche Ergänzung bei caniner Leishmaniose rechtfertigt, nicht als Ersatz für etablierte Therapien.
Zum Artikel: mdpi.com/2076-393X/14/9/818
