FAQ

Genügt ein im Ausland durchgeführter Schnelltest zur Identifikation vorhandener Erreger beim Hund?

Ein im Ausland vom vermittelnden Tierschutzverein durchgeführter Schnelltest kann erste Hinweise auf möglicherweise vorhandene Erreger liefern. Die eingesetzten Schnelltests haben jedoch teilweise eine Sensitivität von unter 90%, wodurch falsch-negative Ergebnisse auftreten können. Zudem decken die verfügbaren Schnelltests je nach Herkunft des Tieres das länderspezifische Erregerspektrum nicht vollständig ab oder die Diagnostik erfolgt lediglich über Kreuzreaktionen mit anderen Erregern. Um im Falle einer Erkrankung keine wertvolle Zeit zu verlieren, sollte der Test auf Reisekrankheiten daher zusätzlich in einem auf Reiseerkrankungen spezialisierten Fachlabor durchgeführt werden.


Wann sollte ein nach Deutschland importierter Hund auf Reisekrankheiten getestet werden?

Sofern der Hund älter als 6 Monate ist, sollte er sofort nach der Einreise getestet werden. Für importierte Hunde, die jünger als 6 Monate sind, empfehlen wir folgende Vorgehensweise:

Äußerlich gesunde Hunde aus dem mediterranen Raum: Ehrlichien-Antikörper, Babesien-Antikörper, Hepatozoon-PCR.
Äußerlich gesunde Hunde aus dem osteuropäischen Raum: Anaplasma phagocytophilum-Antikörper, Babesien-Antikörper, ggf. Hepatozoon-PCR.

Bei äußerlich gesunden Hunden, die jünger als 4-5 Monate sind, empfiehlt sich ab der 8. Woche zusätzlich die Filarienprophylaxe mit einem zugelassenen makrozyklischen Lakton, da in der Entwicklung befindliche Filarien zu diesem Zeitpunkt noch eliminiert werden können.

Die häufig anzutreffende Empfehlung, den Hund erst mehrere Monate nach Einreise erneut zu testen, ist nach unserer Erfahrung nicht haltbar. Die Hunde werden für die Einreise nach Deutschland geimpft, kastriert und sind deutlichem Stress durch Transport und Halterwechsel ausgesetzt, was ein Aufflammen einer vorhandenen Infektion begünstigen kann. Infizierte Hunde sind oft lange äußerlich unauffällig, die Erkrankungen führen unbehandelt jedoch schnell zu Organschäden. Nur eine zügige Identifizierung einer möglicherweise vorhandenen parasitären Infektion ermöglicht eine schnelle Therapie, welche unter Umständen lebensrettend sein kann.
Einige der Reiseerkrankungen sind zudem über hier in Deutschland heimische Vektoren auf andere Hunde übertragbar. Dies betrifft vor allem die Infektion mit Babesia canis (Vektor: Auwaldzecke), Anaplasma phagocytophilum (Vektor: Holzbock) und Rickettsia massiliae (Vektoren: Auwaldzecke, Holzbock). Eine schnellstmögliche Identifizierung von Krankheitsträgern in Kombination mit einer vernünftigen Zeckenprophylaxe schützt somit auch unsere einheimischen Hunde vor übertragbaren Importkrankheiten.

Wie oft sollte ein in Deutschland lebender Hund mit Auslandsvergangenheit auf Reiseerkrankungen getestet werden?

Wir empfehlen eine sofortige Testung auf alle im Herkunftsland auftretenden Erkrankungen direkt nach Ankunft des Hundes in Deutschland, sofern der Hund älter als 6 Monate ist. Für jüngere Tier beachten Sie bitte oben stehende Empfehlungen.
Auch ein negativ getesteter Hund sollte regelmäßig nachgetestet werden, um eine mögliche Infektion frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig zu therapieren. Dies ist auch vor dem Hintergrund wichtig, dass viele der im Ausland vorkommenden Infektionserkrankungen lange Inkubationszeiten haben. So kann nach aktuellem Kenntnisstand ein mit Leishmaniose infizierter Hund, der mehrfach negativ getestet wurde, noch nach 7 Jahren in Deutschland plötzlich ein positives Testergebnis und eine klinische Erkrankung zeigen. Je nach Sicherheitsbedürfnis des Tierhalters sollte zumindest eine jährliche Nachtestung erfolgen, bei der Leishmaniose empfiehlt sich die Nachtestung alle 6 Monate. Dies kann beispielsweise vor einer jährlich stattfindenden Impfung geschehen, da laut Packungsbeilage der Impfstoffhersteller nur gesunde Hunde geimpft werden dürfen und die Impfung einen Erkrankungsschub auslösen kann. Auch vor Operationen oder sonstigen größeren Eingriffen, die das Immunsystem fordern, kann eine Nachtestung sinnvoll sein.

Wie oft sollten bei Hunden mit Reiseerkrankungen Titerbestimmungen erfolgen?

Die Höhe der Antikörperproduktion (Titer) resultiert aus der individuellen Immunreaktion des Organismus` auf die verschiedenen Erreger, sie korreliert nach unserer Erfahrung nicht zwangsläufig mit der Klinik des Hundes. Bei einigen Hunden kann nach Therapie ein signifikanter Abfall des Titers um mehrere Verdünnungsstufen beobachtet werden, bei anderen Tieren persistieren hohe Antikörperspiegel über Monate und Jahre. Das alleinige Vorhandensein eines Titers stellt daher keine therapeutische Indikation dar und die Messung des Titers eignet sich auch nicht zur Therapiekontrolle.
Es gibt allerdings Hinweise darauf, dass ein signifikanter Anstieg des Titers bei manchen Hunden den Veränderungen in Blutbild und Eiweißelektrophorese vorhergeht und als Hinweis auf einen Rezidiv gewertet werden kann. Im Falle der Leishmaniose wird daher empfohlen, den Titer alle 6 Monate zu bestimmen und dies mit einer parallel durchgeführten Eiweißelektrophorese zu kombinieren, um Rezidive rechtzeitig zu erkennen und Organschäden vorzubeugen. Bei allen anderen Erkrankungen genügt die Titerkontrolle alle 12 Monate. Die Analyse sollte immer im gleichen Labor unter Nutzung des gleichen Testverfahrens erfolgen, nur dann sind die ermittelten Werte miteinander vergleichbar.

Wie lange sind maternale Antikörper in Welpen/Junghunden nachweisbar und lohnt sich ein Test auf Reisekrankheiten bei diesen Tieren überhaupt?

In verschiedenen Quellen ist zu lesen, dass ein Test auf Reiseerkrankungen bei Hunden unter 1 Jahr nicht sinnvoll ist, da hier immer auch maternale Antikörper (von der Mutter an den Welpen übertragene Antikörper) zu finden sind, die eine Erkrankung vortäuschen können. Unsere langjährige Erfahrung zeigt allerdings, dass diese maternalen Antikörper bei Welpen/Junghunden nur für relativ kurze Zeit nachgewiesen werden können. Im Rahmen der Zusammenarbeit mit einem Tierschutzverein, welcher aufgrund der Ehrlichiose-Therapie sowie der anvisierten Impfung eines Wurfes Welpen und einer möglichst frühzeitigen Information an potentielle Adoptanten mehrfach Antikörpermessungen bei uns in Auftrag gegeben hat, wurden zum Beispiel für die Ehrlichiose folgende Antikörperspiegel detektiert:

Mutter: hochpositiv
Welpen 4 Wochen alt: 1:1000 - 1:4000 (positiv)
Welpen 8 Wochen alt: 1:50 - 1:100 (fraglicher Bereich)
Welpen 12 Wochen alt: negativ, keine Antikörper nachweisbar

Wir empfehlen daher, auch Junghunde spätestens ab dem 6. Lebensmonat auf Reisekrankheiten zu untersuchen.

Wie ist es möglich, dass mein Hund Leishmaniose-positiv getestet wurde, obwohl diese Erkrankung in seinem Herkunftsland nicht auftritt?

In seltenen Fällen kann es sein, dass es im Rahmen der Titerbestimmung zu einer Kreuzreaktion zwischen den Antikörpern gegen die Leishmaniose und denen gegen die Babesiose kommt. Dies betrifft vor allem den Ungarnstamm der Babesiose, welcher sich in extrem hohen Titern zeigen kann. Bei Hunden, die aus osteuropäischen Ländern (z.B. Russland, Ungarn, Polen, Ukraine) importiert wurden und die per Titerbestimmung Leishmaniose-positiv getestet wurden, besteht daher der dringende Verdacht einer Infektion mit dem Ungarnstamm der Babesiose. Vor einer möglicherweise wirkungslosen Leishmaniosetherapie muss bei diesen Tieren dringend eine Babesiendiagnostik durchgeführt werden.

Warum gilt Ungarn laut aktueller Parasituskarte als Leishmaniose-frei, obwohl diese Erkrankung laut CVBD-Karte in Ungarn vorkommt?

Leishmaniose-Verbreitungskarte des Companion Vector-BorneDiseases (CVBD) World Forum.

Die Karte des Companion Vector-Borne Diseases (CVBD) World Forum basiert rein auf Veröffentlichungen. Ungarn erscheint auf der CVBD-Verbreitungskarte als Leishmaniose-Endemiegebiet, da in der Literatur ein Fall einer autochthonen Leishmanioseerkrankung bei einem Hund in Ungarn beschrieben ist.
Vector Borne Zoonotic Dis. 2012 May;12(7):588-594

Unter infektionsepidemiologischen Aspekten kann von einer autochthonen Infektion jedoch erst ausgegangen werden, wenn auch der Vektor dieser Erkrankung vor Ort gefunden wurde. Wie auch die Autoren dieser Publikation innerhalb des Artikels anmerken, wurden bei parallel durchgeführten Fangaktionen in der Region zu keiner Zeit Phlebotomen gefunden, die eine Vektorkompetenz für die Übertragung einer Leishmanioseerkrankung besitzen. Möglicherweise spielen in diesem Fall nicht-vektorassoziierte Übertragungswege eine Rolle.

In welchen Abständen sollten bei Hunden mit Reiseerkrankungen ausführlichere Blutuntersuchungen erfolgen?

Ein regelmäßiges Monitoring ist bei Hunden, die von Reiseerkrankungen betroffen sind, extrem wichtig. Hierzu gehören eine umfangreiche klinische Untersuchung des Tieres, ein großes Blutbild, die Klinische Chemie und eine Eiweißelektrophorese mit Kurvendarstellung. Je nach Erkrankung und klinischem Bild kann in diesem Zusammenhang auch eine Urinuntersuchung inklusive Ermittlung des Protein-Kreatinin-Quotienten (Urine protein-to-creatinine ratio; UPC) erforderlich sein.
Bei Hunden mit einer klinischen Leishmanioseerkrankung empfiehlt es sich, das Monitoring alle 3 Monate durchzuführen. Bei unkompliziertem Verlauf können die Intervalle auf alle 6 Monate ausgedehnt werden. Bei allen weiteren nicht-eliminierbaren Reiseerkrankungen, vor allem bei der Ehrlichiose, sollte das Monitoring alle 6-12 Monate erfolgen, um Krankheitsschübe rechtzeitig zu erkennen und Organschäden zu vermeiden.

Warum sollte bei einer Blutuntersuchung immer auch eine Eiweißelektrophorese (EEP) durchgeführt werden?

Die EEP liefert neben Blutbild und Klinischer Chemie wichtige Hinweise über den Verlauf einer Mittelmeererkrankung, sie ist daher ein wichtiger Bestandteil des regelmäßigen Monitorings. Die EEP erlaubt eine weitere Aufschlüsselung des in der Klinischen Chemie ermittelten Gesamteiweißes, dessen Unterfraktionen quantitativ gemessen und als absolute und relative Zahlenwerte angegeben sowie als Kurve dargestellt werden. In der EEP zeigt sich ein beginnender Krankheitsschub oft bereits frühzeitig, selbst wenn in Blutbild und Klinischer Chemie noch keinerlei Abweichungen erkennbar sind. Zudem können die Ergebnisse der EEP Hinweise auf möglicherweise vorhandene Co-Infektionen oder eine häufig anzutreffende Leber- und Nierenbeteiligung geben.
Die Kurvendarstellung der EEP hat sich als äußerst hilfreich bei der Beurteilung eines Krankheitsverlaufes herausgestellt, da aus Form und Verlauf der Kurve wichtige Rückschlüsse gezogen werden können. So gelingt beispielsweise die Unterscheidung zwischen einer monoklonalen und einer polyklonalen Gammopathie ausschließlich mittels Kurve. Die EEP-Kurve wird vom Labor manchmal nicht automatisch übermittelt. Sie liegt dem Labor jedoch immer vor und kann vom Tierarzt in der Regel kostenlos angefordert werden.

Warum sind auf dem Befund von Parasitus Ex keine Normwerte für die Eiweißelektrophorese (EEP) vorhanden?

Die Normwerte für die einzelnen Fraktionen der EEP sind sehr stark abhängig von der untersuchten Tierart, vom Alter und vom Geschlecht des Tieres. So zeigen Welpen und Junghunde in der EEP eine physiologische Hypogammaglobulinämie, während sich mit dem Alter die Fraktionen zugunsten der Globuline verschieben und das Albumin abnimmt. Zudem werden bei Hunden rassespezifische Unterschiede diskutiert. Wir verzichten daher auf die Angabe von Normwerten auf unseren EEP-Befunden und empfehlen, die Ergebnisse in Bezug auf Alter, Geschlecht und Tierart zu interpretieren.

Wie sind im Internet verfügbare Publikationen und Leitfäden zum Thema Mittelmeererkrankungen zu interpretieren?

Im Internet findet sich eine Vielzahl an Literatur und Leitfäden zum Thema Mittelmeererkrankungen. Viele dieser Dokumente sind veraltet und entsprechen nicht mehr dem aktuellen Kenntnisstand. Zudem stellen Hunde im Ausland ein Erregerreservoir dar, so dass vor Ort vielfach sehr viel aggressiver therapiert wird, als dies bei den in Deutschland lebenden Tieren nötig ist. Im Ausland definierte Leitlinien sind daher nicht zwangsläufig hilfreich für Tiere, die bei uns in Deutschland leben. Die Differenzierung der Fülle an Informationen fällt vielen Tierhaltern und Tierärzten aus nachvollziehbaren Gründen nicht leicht. Wir helfen Ihnen, auf dem neuesten Stand zu bleiben. Bitte nehmen Sie bei Fragestellungen zu aktuellen Empfehlungen bezüglich Diagnostik, Prävention und Therapie von Reiseerkrankungen Kontakt zu uns auf.

Ist die Übertragung einer Leishmanioseerkrankung von Hund zu Hund in Deutschland möglich?

Die Leishmaniose wird überwiegend vektorassoziiert von Sandmücken übertragen. In Deutschland sind bislang 2 Sandmückenarten entdeckt worden. Die in Baden-Württemberg gefundene Art Phlebotomus mascitii stellt einen extrem ungeeigneten Überträger der Leishmaniose dar, da sie auch unabhängig von einer Blutmahlzeit fertile Eier produzieren kann. Bislang sind alle Versuche verschiedener Institutionen, mittels dieser Sandmückenart eine Leishmanioseerkrankung zu übertragen, misslungen. Es ist daher davon auszugehen, dass Phlebotomus mascitii keine Vektorkompetenz für die Übertragung der Leishmaniose besitzt.
Die Vektorkompetenz von Phlebotomus perniciosus ist hingegen zweifelsfrei nachgewiesen. Von dieser Sandmückenart wurden 2001 in Rheinland-Pfalz 4 Vertreter gefangen:

Int. J. Med. Microbiol. 2004 Apr;293(Suppl. 37):179-181.

Bei weiteren Fangaktionen zwischen 2015 und 2018 konnten keine Exemplare dieser Sandmückenart gefunden werden, so dass unter aktuellen klimatischen Bedingungen ein dauerhaftes Überleben und eine weitere Verbreitung dieser Sandmückenart in Deutschland nicht sehr naheliegend ist.
Als nicht-vektorassoziierte Übertragungswege der Leishmaniose sind die diaplazentare Übertragung und die Übertragung durch den Deckakt von Bedeutung. Bei der diaplazentaren Übertragung werden Leishmanien von einem infizierten Muttertier auf die Welpen übertragen. Im Rahmen einer Übertragung durch den Deckakt ist bekannt, dass zumindest eine Krankheitsübertragung von einem infizierten Rüden auf die Hündin möglich ist, Leishmaniose-infizierte Hunde sollten daher unbedingt von der Zucht ausgeschlossen werden:
Parasit Vectors. 2012 Apr;5:67.

Als weiterer möglicher Übertragungsweg von Hund zu Hund ist der Blutaustausch zu nennen. Im Falle einer Bluttransfusion ist die Möglichkeit einer Erkrankungsübertragung nachgewiesen:

J Am Vet Med Assoc. 2001 Oct;219(8):1076-1083.

Die direkte Hund-zu-Hund Übertragung über eine Bissverletzung ist bislang in einem Fall beschrieben worden. Hier kam es allerdings zu mehrfachen und erheblichen Bissverletzungen. Da die Übertragung einer Leishmaniose über den Speichel eines Hundes nahezu auszuschließen ist, ist in diesem Fall davon auszugehen, dass es durch die Beißerei zum Austausch größerer Blutmengen zwischen den Hunden gekommen ist:
Parasit Vectors. 2016;9:256.

Ist die Übertragung einer Leishmanioseerkrankung von Hund zu Mensch in Deutschland möglich?

Eine direkte Übertragung der Erkrankung zwischen Hund und Mensch ist in Deutschland nicht dokumentiert. Allerdings können Leishmanien in den nässenden Hautläsionen erkrankter Hunde nachgewiesen werden. Eine Übertragung der Erkrankung über diese erregerhaltigen Hautläsionen ist potenziell vorstellbar, indem die Erreger in eine frische Wunde hineingerieben werden, was bei immungeschwächten Personen, die möglicherweise selbst unter Läsionen der Haut leiden, nicht völlig ausgeschlossen werden kann. Obgleich dies unwahrscheinlich ist, sollte die Aufnahme eines Hundes aus einem Endemiegebiet bei Vorhandensein immuninkompetenter Personen im Haushalt besonders überdacht werden.

Warum entsprechen aktuelle Therapieempfehlungen nicht mehr den Empfehlungen, die noch vor einigen Jahren herausgegeben wurden?

Bezüglich der vektorbasierten Erkrankungen sind noch viele Fragestellungen offen und zu bearbeiten. Somit stellt auch unsere Beratungsarbeit einen fließenden Prozess dar. Wir sind ständig auf dem aktuellen Stand der Dinge und überprüfen die wissenschaftliche Fachliteratur permanent auf aussagekräftige neue Erkenntnisse, die wir in unsere Beratung mit einfließen lassen. So erreichen neue Ergebnisse und Therapiemöglichkeiten über unsere Kommunikation häufig deutlich schneller die behandelnden Tierärzte und betroffenen Tierhalter, als es durch eine Publikation in einem Fachjournal der Fall ist. Aufgrund neuer Erkenntnisse ist es daher möglich, dass Sie heute eine andere Auskunft bekommen, als es zu einem früheren Zeitpunkt der Fall war. Wir helfen Ihnen, auf dem neuesten Stand zu bleiben. Bitte nehmen Sie bei Fragestellungen zu aktuellen Empfehlungen bezüglich Diagnostik, Prävention und Therapie von Reiseerkrankungen Kontakt zu uns auf.

Welches Doxycyclin wird zur Therapie vektorbasierter Infektionskrankheiten empfohlen?

Doxycyclin ist sowohl als Monohydrat als auch in Form eines Hyclates im Handel erhältlich. Ältere vergleichende Studien beim Menschen zeigen, dass es bezüglich Resorption und Bioverfügbarkeit keine Unterschiede zwischen den beiden Formen gibt.
Chemotherapy.1984 Feb;30(2):76-80.
Arzneimittelforschung. 1990 Sep;40(9):1039-43.

Eine prospektive Studie zur Untersuchung unerwünschter Arzneimittelwirkungen bei Hund und Katze hat ergeben, dass Doxycyclin-Hyclat deutlich mehr Nebenwirkungen verursacht als das Monohydrat. Diese Nebenwirkungen zeigen sich vor allem in Ösophagus-Ulzerationen, welche vermutlich auf den deutlich niedrigeren ph-Wert des Hyclates zurückzuführen sind.
Hupfauer, S.: Doxycyclin-Therapie bei Hunden und Katzen – eine retrospektive Studie zur Untersuchung unerwünschter Arzneimittelwirkungen. Diss., Ludwig-Maximilians-Universität München 2010.

Für den veterinärmedizinischen Bereich sind derzeit 2 Präparate mit dem Wirkstoff Doxycyclin-Hyclat zugelassen. Bei Unverträglichkeit des Hyclates dürfen unter Beachtung des §56a AMG Monohydrate aus dem humanmedizinischen Bereich in Form einer Umwidmung auch beim Tier verordnet werden.

Warum sollte unter Allopurinoltherapie purinarm ernährt werden?

Das Medikament Allopurinol greift in den Purinstoffwechsel ein und hemmt das Enzym Xanthinoxidase. Als Folge kommt es zu einer Abnahme der Bildung von Harnsäure und zu einer Zunahme der Bildung von Xanthin und Hypoxanthin. Die erhöhte Xanthinausscheidung über den Urin (Xanthinurie) kann die Bildung von Harn- und Nierensteinen begünstigen. Um das Risiko von Blasen- und Nierenerkrankungen zu reduzieren, sollte bei einer Therapie mit Allopurinol unbedingt auf eine purinarme Fütterung geachtet werden. Weiterhin sollte die Notwendigkeit einer Allopurinoltherapie regelmäßig überdacht werden. Die grundsätzlich lebenslange Therapie mit Allopurinol entspricht, auch aufgrund der Nebenwirkungen des Präparates, nicht mehr dem aktuellen Stand der Wissenschaft.

Wie ist eine purinarme Ernährung zu realisieren?

Es gibt mittlerweile auf dem Markt einige purinreduzierte Fertigfuttermittel. Inwieweit diese für Ihren Hund geeignet und empfehlenswert sind, sollte mit dem behandelnden Tierarzt besprochen werden. Auch die Zusammenstellung eigener Rationen und das Selbstkochen sind möglich.
Purine sind wichtige Bestandteile vor allem tierischer Lebensmittel. Generell kann gesagt werden, dass bestimmte Bestandteile tierischer Nahrungsmittel purinreicher als andere sind. So eignen sich Haut und Innereien wie Leber und Niere nicht für eine purinreduzierte Ernährung, die eher aus hochwertigem Muskelfleisch bestehen sollte. Pferdefleisch ist purinreicher als Fleisch anderer Tierarten. Bei der Gabe von Ergänzungsfuttermitteln sollte dringend beachtet werden, dass Hefe extrem viel Purin enthält. Viele dieser Futterergänzungen enthalten Hefe als Geschmacksverstärker und Vitamin-B-Lieferant, sie sind daher für eine purinarme Fütterung ungeeignet. Wichtig ist, dass eine purinreduzierte Fütterung nicht mit einer proteinreduzierten Fütterung einhergehen muss, da auch Eier und vergorene Milchprodukte wie Magerquark und Hüttenkäse als tierische Proteinquelle in der Ernährung genutzt werden können. Im Internet verfügbare Purintabellen können bei der Auswahl geeigneter Nahrungsmittel hilfreich sein, hier einige Anregungen:
Purintabelle auf www.gichtinfo.de
Purintabelle auf www.xund-fuern-hund.at

Bitte wenden Sie sich für die Erstellung individueller Futterpläne an einen Fachtierarzt für Tierernährung oder nehmen Sie eine entsprechend qualifizierte Futtermittelberatung in Anspruch. Ein dauerhafter Mangel oder Überschuss an bestimmten Nährstoffen kann bei einem erkrankten Tier deutlich schwerwiegendere Folgen haben, als dies bei einem gesunden Hund der Fall ist.

Existiert ein Zusammenhang zwischen einer Leishmanioseerkrankung und dem Auftreten eines Milztumores?

Hämangiosarkome der Milz scheinen eine zunehmende Bedeutung im tierärztlichen Alltag einzunehmen. Die Milz stellt einen wichtigen Teil des Immunsystems dar. Das Milzparenchym besteht aus roter und weißer Pulpa, welche unterschiedliche Funktionen haben. Die rote Pulpa ist für die Phagozytose von alten oder geschädigten/anomalen Erythrozyten und Thrombozyten verantwortlich, welche dort aussortiert und von Makrophagen abgebaut werden. Die weiße Pulpa besteht aus Lymphgewebe und ist Teil des Immunsystems, hier findet die antigeninduzierte Differenzierung von B- und T-Lymphozyten statt. Aufgrund der immunologischen Funktion der Milz, erhalten wir regelmäßig Anfragen bezüglich eines möglichen Zusammenhanges zwischen der Diagnose eines Milztumores und einer bekannten Leishmanioseerkrankung.
Ein erhöhtes Auftreten von Hämangiosarkomen der Milz ist bei Leishmaniose-positiven Hunden nicht beschrieben. Allerdings sind die Leishmaniose-bedingten histologischen Umbauprozesse der Milz recht umfangreich untersucht. Demnach kommt es bei dieser Erkrankung sowohl zu einer Entzündung der Milzkapsel als auch zu einer chronischen Entzündung des Milzparenchyms (Splenitis). Innerhalb des Organs sind bei klinischer Erkrankung zudem eine "Vermischung" und "histologische Umorganisierung" der verschiedenen Pulpa-Anteile der Milz beschrieben. Weiterhin wurden bei klinisch erkrankten Tieren Granulome und reichlich Leishmania-Amastigoten in der Milz gefunden.
PLoS Negl Trop Dis. 2018 Apr;12(4):e0006445.

PLoS One. 2015 Apr;10(4):e0123009.
Front Cell Infect Microbiol. 2018 Nov;8:394.
Parasite Immunol. 2008 Oct;30(10):515–524.

Immer dort, wo chronische Entzündungen auftreten und Umbauprozesse stattfinden, ist der Weg zur Entartung nicht weit. Von daher erscheint es naheliegend, dass sich die Wahrscheinlichkeit des Auftretens eines Milztumors bei Leishmaniose-positiven Hunden mit fortschreitender Erkrankung erhöht, auch wenn hierzu derzeit keine Studie existiert.

Darf ein Leishmaniose-positiver Hund splenektomiert werden?

Manchmal ist im Rahmen der Diagnose eines Milztumores eine Splenektomie (Milzentfernung) notwendig. Da die Milz einen wichtigen Teil des Immunsystems darstellt, stellt sich die Frage, ob die Splenektomie bei Leishmaniose-positiven Hunden möglich ist, ohne das zusätzliche Risiko eines Erkrankungsschubes einzugehen. Da bei Hunden zu diesem Thema relativ wenig bekannt ist, soll an dieser Stelle auch auf die Datenlage bei anderen Spezies eingegangen werden:
Mensch: Eine altersabhängige immunologische Funktion der Milz spielt nur im Kindesalter eine Rolle. Hier ist bekannt, dass die immunologische Funktion der Milz erst ab einem bestimmten Alter auch von anderen Organen wie Leber, Knochenmark und Lymphknoten übernommen werden kann. So soll zum Beispiel bei Kindern vor dem 6. Lebensjahr möglichst keine Splenektomie erfolgen, weil die anderen Organe die immunologische Funktion der Milz vor diesem Alter noch nicht übernehmen können. Zu einer Funktionsveränderung der Milz im Erwachsenenalter ist nichts bekannt, so dass man davon ausgehen muss, dass das Organ bis zum Tod seine Funktion erhält.
Beim Menschen sind nach Splenektomie Probleme mit bakteriellen (hier vor allem mit bekapselten Bakterien) und viralen Infektionen bekannt. Bei Protozoen scheint die Entfernung der Milz aber unproblematisch zu sein. Fallberichte zur Splenektomie bei Leishmaniose-Patienten:
Rev Soc Bras Med Trop. 2012 Feb;45(1):130-131.

Pediatr Surg Int. 1993 May;8(4):314-315.

Maus: Eine Splenektomie scheint bei Leishmaniose-infizierten Tieren problemlos möglich zu sein, hier übernehmen die Lymphknoten die immunologische Funktion der Milz:
Cell Immunol. 2007 Sep;249(1):1-7.

Hund: Probleme bei splenektomierten Hunden scheinen nur bei Befall mit Mycoplasma haemocanis aufzutreten, hier kann es zu einer massenhaften Vermehrung des Erregers mit letalem Ausgang kommen. Derzeit existieren keine Daten bezüglich der Splenektomie bei Hunden mit anderen Mittelmeerkrankheiten. Nach aktuellem Kenntnisstand und unter Berücksichtigung der Daten anderer Spezies kann eine Splenektomie zumindest bei einer Leishmanioseerkrankung notfalls durchgeführt werden.

Ich möchte meinem Hund immunstärkende Präparate z.B. Echinacea verabreichen, damit sein Organismus sich besser gegen die Reisekrankheiten zur Wehr setzen kann. Ist dies empfehlenswert?

Bei allen hier genannten Reisekrankheiten kommt es im Fall einer klinischen Erkrankung zu einer überschießenden Immunreaktion mit hoher Produktion nicht-protektiver Antikörper. Die Ursache hierfür liegt nicht zwangsläufig in einer Abwehrschwäche begründet, sondern darin, dass schlichtweg das „falsche“ Immunsystem aktiviert ist (humorale statt der benötigten zellulären Abwehr). Ein großer Teil der Symptomatik klinisch erkrankter Tiere ist nicht durch die Erreger selbst bedingt, sondern sie ergibt sich aus der hohen Antikörperproduktion. Diese Antikörper lagern sich als Komplexe in verschiedenen Organen wie Niere, Haut, Auge und den Gelenken ab und führen dort zu Entzündungen und Autoimmunprozessen (Glomerulonephritis, Uveitis, Dermatitis, Polyarthritis). Beim Einsatz unspezifischer immunstimulierender Präparate besteht die Gefahr, dass die humorale Abwehr noch stärker stimuliert wird und die Antikörperproduktion weiter ansteigt. Aus diesem Grund ist vom Einsatz immunstimulierender Präparate dringend abzuraten.
Sie können das Immunsystem Ihres Tieres stärken, indem Sie es gesund ernähren, Stress vermeiden, Ruhe- und Rückzugsmöglichkeiten schaffen und einen geregelten Tagesablauf gewährleisten. Es ist weiterhin förderlich, wenn sich Ihr Tier darauf verlassen kann, dass Sie ihm in allen Lebenslagen zur Seite stehen und dass es bedingungslos geliebt wird.

Was ist ein Immunmodulator und welche Präparate eignen sich für den Einsatz bei Hunden mit Leishmaniose?

Im Gegensatz zu unspezifischen Immunstimulatoren, die vor allem auch die humorale Abwehr stimulieren können, beeinflussen Immunmodulatoren das Immunsystem in Richtung der benötigten zellulären Immunreaktion. Momentan befinden sich 2 Präparate auf dem Markt, welche auch an Leishmaniosehunden getestet wurden.
Domperidon ist ein Dopaminrezeptor-Antagonist und wird eigentlich als Antiemetikum eingesetzt. In der Leishmaniosetherapie wird eine Nebenwirkung des Wirkstoffes genutzt, es soll über eine erhöhte Prolaktinfreisetzung in der Hypophyse die zelluläre Immunabwehr stimulieren. Das Präparat kann laut Hersteller sowohl vorbeugend bei Hunden in Gebieten mit hohem Infektionsdruck als auch zur Verhinderung eines fortschreitenden Verlaufes einer Leishmanioseerkrankung bei Hunden mit milden klinischen Symptomen eingesetzt werden:
Vet J. 2009 Feb;179(2):259-263. (Keine Kontrollgruppe mit unbehandelten Hunden!)
Prev Vet Med. 2014 Jul;115(1-2):56-63. (Hersteller-finanzierte Studie!)

Weiterhin befindet sich auf dem Markt ein Ergänzungsfuttermittel, welches einen Extrakt vom Shiitake-Pilz und eine aus Bierhefe gewonnene Nukleotidmischung enthält:
Vet Parasitol. 2017 May;239:50-56. (Hersteller-finanzierte Studie!)

Das Design dieser Studie wirft einige Fragen auf, da alle Hunde vor Einsatz des Nahrungsergänzungsmittels 28 Tage mit einem Meglumin-Antimonat behandelt wurden. Zudem enthält das Präparat ein Bierhefe-Erzeugnis, womit davon auszugehen ist, dass relevante Mengen an Purinen enthalten sind. Der Hersteller verweist auf Anfrage lediglich auf oben aufgeführte Studie, so dass die Frage nach dem Puringehalt des Produktes unbeantwortet bleibt.

Beide Immunmodulatoren zeigen weder leishmanizide noch leishmanistatische Effekte, sie eignen sich daher nicht als alleinige Therapie bei einer klinisch manifesten Leishmanioseerkrankung.


Weitere auf dem Markt befindliche Immunmodulatoren sind weder für den Einsatz bei Hunden mit Leishmaniose untersucht noch werden sie von den Herstellern der Präparate für eine derartige Anwendung empfohlen. Da im Hinblick auf die Wirkungsweise dieser Präparate im hochgradig komplexen System der Immunabwehr noch viele Fragen unbeantwortet sind, ist von einem therapeutischen Einsatz dieser Produkte bei Hunden mit Leishmaniose abzuraten.

Muss bei Gabe eines Immunmodulators ein ausreichender Abstand zur Impfung gewährleistet sein?

Eine Impfung aktiviert die humorale Abwehr und kann einen Erkrankungsschub zur Folge haben. Soll trotzdem geimpft werden, stellt sich häufig die Frage, inwiefern die Gabe eines Immunmodulators die Impfreaktion beeinflusst. Auch hier sind noch viele Fragen offen und es existieren gegenwärtig keine Studien zu diesem Thema. Immunmodulatoren verschieben allerdings die Immunreaktion des Körpers in Richtung zellulärer Abwehr, was in der Regel mit einem Abfall der humoralen Abwehr einhergeht. Da die humorale Abwehr für die Bildung von Impfantikörpern zwingend benötigt wird, sollte zwischen der Gabe eines Immunmodulators und einer Impfung ein Abstand von 3 Monaten eingehalten werden.