20.03.2026

Seroreversion nach Kontakt mit Ehrlichia canis
Umfangreiche Datenauswertungen zeigen, dass niedrig-positive Titer im indirekten Immunfluoreszenz-Antikörpertest (IFAT) gegen Ehrlichia canis in Höhe von 1:320 oder 1:640 bei importierten Hunden, die einige Wochen nach der Einreise untersucht wurden, in der Regel lediglich einen vorherigen Kontakt mit dem Erreger widerspiegeln. Diese serologischen Befunde sind nicht zwangsläufig Ausdruck einer klinisch relevanten oder behandlungsbedürftigen Infektion. Diese Einschätzung wird dadurch gestützt, dass betroffene Hunde auch ohne antibiotische Therapie nach 5-7 Monaten wieder seronegativ werden. Die beobachtete Seroreversion spricht dafür, dass es sich in vielen Fällen um eine vorübergehende Exposition oder eine subklinische Infektion handelt, bei der der Erreger vom Immunsystem effektiv eliminiert wird. Vor diesem Hintergrund sollte bei isoliert niedrig-positiven IFAT-Titern – insbesondere bei fehlender klinischer Symptomatik – grundsätzlich keine antibiotische Therapie eingeleitet werden.

Diagnostisches Vorgehen und Interpretation von Befunden
Zur Diagnose der caninen Ehrlichiose stehen verschiedene serologische und molekularbiologische Methoden zur Verfügung. Als serologischer Referenztest gilt der indirekte Immunfluoreszenz-Antikörpertest (IFAT) zum Nachweis von Anti-Ehrlichia-canis-IgG-Antikörpern. In einem Übersichtsartikel zur Diagnostik der caninen monozytotropen Ehrlichiose weisen u.a. Harrus und Waner darauf hin, dass ein positiver Antikörpertiter zwar als verlässlicher Hinweis auf eine Exposition gegenüber dem Erreger zu interpretieren ist, jedoch keinen sicheren Rückschluss auf das Vorliegen einer aktiven Infektion erlaubt (1). Um eine aktive Infektion wahrscheinlicher zu machen, wird die Durchführung von zwei aufeinanderfolgenden IFAT-Untersuchungen im Abstand von sieben bis vierzehn Tagen empfohlen. Ein vierfacher Anstieg des Antikörpertiters gilt dabei als starker Hinweis auf eine aktive Infektion. In solchen Fällen kann eine zusätzliche Bestätigung durch den direkten Erregernachweis mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR) erfolgen.
Die Diagnose der caninen Ehrlichiose sollte grundsätzlich nicht allein auf serologischen Testergebnissen basieren, sondern immer im Kontext der klinischen Symptomatik, der Anamnese sowie weiterer laborchemischer Befunde gestellt werden. Zu den unterstützenden Laborparametern zählen insbesondere Veränderungen der Thrombozytenzahlen, da eine Thrombozytopenie ein häufiges hämatologisches Begleitphänomen der Erkrankung darstellt. Zusätzlich kann der molekularbiologische Nachweis von Ehrlichia-DNA mittels PCR eine wichtige diagnostische Ergänzung darstellen. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass negative PCR-Ergebnisse nicht zwingend eine Infektion ausschließen, da der Nachweis stark vom untersuchten Probenmaterial und vom Zeitpunkt der Probenentnahme abhängig ist. Darüber hinaus können mögliche Koinfektionen mit anderen durch Zecken übertragenen Pathogenen – beispielsweise Anaplasma phagocytophilum – sowohl klinische Symptome als auch Laborwerte beeinflussen und die diagnostische Einordnung erschweren. Insbesondere bei serologischen Screeningverfahren wie ELISA können solche Koinfektionen zu komplexen Befundkonstellationen führen.

Immunologische Grundlagen der Antikörperbildung
Bereits subklinische Infektionen oder kurzzeitige, transiente Erregerexpositionen mit Ehrlichia canis (höchstwahrscheinlich auch mit Anaplasma phagocytophilum) können eine adaptive Immunantwort auslösen (2). In solchen Situationen repliziert sich der Erreger häufig nur kurzfristig in seinen Zielzellen und wird anschließend rasch durch das Immunsystem eliminiert. Während dieses Prozesses werden dendritische Zellen aktiviert, die mikrobielle Antigene aufnehmen und präsentieren. Dies führt zur Aktivierung von T-Helferzellen, welche wiederum die Differenzierung von B-Lymphozyten zu antikörperproduzierenden Plasmazellen unterstützen. Im Verlauf dieser Immunreaktion werden zunächst Immunglobulin-M-(IgM)-Antikörper gebildet, gefolgt von der Produktion spezifischer IgG-Antikörper. Nach erfolgreicher Elimination des Erregers können diese IgG-Antikörper für eine gewisse Zeit im Organismus persistieren oder im Verlauf wieder abfallen und schließlich unter die serologische Nachweisgrenze sinken.

Entscheidend ist hierbei, dass der Nachweis von IgG-Antikörpern nicht zwangsläufig eine bestehende oder chronische Infektion belegt, sondern in vielen Fällen lediglich eine frühere Exposition gegenüber dem Pathogen widerspiegelt.

Schlussfolgerungen für die klinische Praxis
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass niedrig-positive IFAT-Titer im Bereich von 1:320 bis 1:640 bei importierten Hunden häufig nur einen zurückliegenden Erregerkontakt anzeigen. Ohne klinische Symptomatik oder weitere diagnostische Hinweise auf eine aktive Infektion besteht in diesen Fällen in der Regel keine Indikation für eine antibiotische Therapie! Die diagnostische Bewertung sollte stets auf einer integrativen Betrachtung aus Serologie, molekularbiologischen Nachweismethoden, klinischer Untersuchung, Laborparametern und Anamnese beruhen. Darüber hinaus verdeutlichen immunologische Mechanismen, dass bereits eine kurzzeitige oder subklinische Erregerexposition eine messbare Antikörperantwort hervorrufen kann, ohne dass eine persistierende Infektion vorliegt. Der isolierte Nachweis von IgG-Antikörpern ist daher primär als Marker einer früheren Immunexposition zu interpretieren und sollte nicht automatisch mit einer behandlungsbedürftigen Erkrankung gleichgesetzt werden.

  1. Harrus S, Waner T. Diagnosis of canine monocytotropic ehrlichiosis (Ehrlichia canis): an overview. The Veterinary Journal. 2011;187(3):292–296.
    DOI: 10.1016/j.tvjl.2010.02.001
  2. Murphy K, Weaver C. Janeway’s Immunobiology, 9th edition. Garland Science, 2017.

09.09.2025

Leisguard ist ein Tierarzneimittel auf Basis des Wirkstoffs Domperidon , das zur Kategorie der Antiprotozoika und insbesondere anderer Mittel gegen Leishmaniose und Trypanosomiasis gehört.

Leisguard reduziert das Risiko einer aktiven Infektion und klinischen Erkrankung infolge des Kontakts mit Leishmania spp. durch Verstärkung der zellulären Immunantwort. Die Wirksamkeit des Produkts wurde bei Hunden nachgewiesen, die in Gebieten mit hohem Infektionsrisiko mehrfach auf natürliche Weise dem Parasiten ausgesetzt waren. Der Hersteller empfiehlt eine orale Dosierung von 0,5 mg/kg/Tag, entsprechend 1 ml/10 kg Leisguard, einmal täglich über 4 aufeinanderfolgende Wochen. Um eine korrekte Dosierung zu gewährleisten, sollte das Körpergewicht so genau wie möglich bestimmt werden.

Prävention: Bei gesunden Tieren induziert eine Behandlung über 4 aufeinanderfolgende Wochen die Aktivierung der zellulären Immunantwort, wodurch im Falle einer möglichen Exposition gegenüber dem Parasiten eine wirksame Barriere gegen Infektionen entsteht. Bei seronegativen Tieren, die noch nie Anzeichen einer Infektion mit Leishmania spp. gezeigt haben, aber in einem endemischen Gebiet leben oder dorthin reisen, sollte eine Behandlung mit Domperidon geplant werden, wobei die vorübergehende Verbreitung von Leishmaniose-Überträgern (Phlebotomus spp.) in dem geografischen Gebiet, in dem sich der Patient aufhält oder reist, zu berücksichtigen ist. In Gebieten mit hoher Prävalenz oder in Klimazonen mit einer langen Infektionssaison sollte die Behandlung alle vier Monate erfolgen. Im Mittelmeerraum empfiehlt es sich, die Therapie im Juni, Oktober und Februar durchzuführen. In Gebieten mit geringer Prävalenz kann eine Behandlung zu Beginn und eine weitere unmittelbar nach Ende der Infektionssaison ausreichend sein. In jedem Fall muss die Behandlungsstrategie vom behandelnden Tierarzt auf Grundlage der lokalen Inzidenz der Krankheit und des möglichen Vorhandenseins infektiöser Vektoren festgelegt werden.

Behandlung: Bei seropositiven Tieren ohne klinische Symptomatik bzw. mit niedrigen bis mäßig positiven Antikörperspiegeln und leichten klinischen Symptomen ist eine 4-wöchige Behandlungsdauer zur Kontrolle des klinischen Krankheitsverlaufs wirksam. In diesen Fällen sollte die Behandlung unmittelbar nach der Diagnose begonnen werden, um die Selbstlimitierung der Krankheit zu fördern. Eine Besserung der klinischen Symptome wird schrittweise in den Wochen nach Behandlungsende erreicht. Die Behandlung mit dem Tierarzneimittel kann bei Bedarf entsprechend der klinischen und serologischen Nachuntersuchung durch den behandelnden Tierarzt wiederholt werden.

Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die sichere Anwendung bei der Zieltierart: Die Verabreichung dieses Tierarzneimittels führt zu einem vorübergehenden Anstieg des Plasmaprolaktins und kann endokrine Störungen wie Galaktorrhoe auslösen.

Gegenanzeigen:
nicht verwenden
– wenn die Stimulierung der Magenmotilität schädlich sein könnte, beispielsweise im Fall von gastrointestinalen Blutungen, intestinaler Perforation oder mechanischer Obstruktion.
– bei Tieren mit einem Prolaktin sekretierenden Hypophysen Tumor.
– Da Domperidon in der Leber metabolisiert wird, soll es nicht bei Hunden mit eingeschränkter Leberfunktion verabreicht werden.

 

Wegen der möglichen Überempfindlichkeit gegen Hilfsstoffe in Humanpräparaten sollte beim Hund möglichst immer das Tierarzneimittel Leisgard eingesetzt werden.

21.07.2025
Die Behandlung einer Herzwurminfektion (Dirofilaria immitis) bei Hunden richtet sich aufgrund unterschiedlicher Pathogenität der Filarien nach den regionalen Gegebenheiten und wird dementsprechend von parasitologischer Fachgesellschaften unterschiedlich empfohlen. Die American Heartworm Society (AHS) sieht das Protokoll mit dem Arsenpräparat Melarsomin in Kombination mit makrozyklischen Laktonen und Doxycyclin als Goldstandard an. Die European Society of Dirofilariosis and Angiostrongylosis (ESDA) empfiehlt daneben auch die Slow-Kill-Methode, insbesondere in Regionen mit weniger aggressiven D. immitis-Stämmen (ESDA Guidelines). Dabei werden makrozyklische Laktone mit Doxycyclin kombiniert, um die Wolbachia-Endosymbionten der Würmer zu eliminieren und so deren Reproduktion und Überleben zu unterbinden. Der Vorteil dieser Methode liegt im langsameren Absterben der Adultwürmer, wodurch das Risiko thromboembolischer Komplikationen sinkt. Zudem ist sie gut verträglich und eignet sich besonders für Hunde mit moderatem Befall. Allerdings ist die Slow-Kill-Methode nicht für schwere Fälle mit ausgeprägten Herz- oder Lungenschäden geeignet und erfordert eine längere Behandlungsdauer.

Quelle: https://www.esda.vet/guidelines.html

03.05.2025
Milteforan, die orale Lösung für Hunde zur Behandlung der caninen Leishmaniose, ist ab sofort auch direkt bei der Fa. Virbac bestellbar. Milteforan kann in Deutschland im Rahmen der Umwidmung zur Behandlung der durch L. infantum verursachte Leishmaniose in einer Dosierung von 2 mg/kg Körpergewicht einmal täglich über 28 Tage eingesetzt werden. Für eine Bestellung einer der drei Packungsgrößen mit 30 mL, 60 mL oder 90 mL können Tierärzte die Fa. Virbac Tierarzeinmittel GmbH direkt kontaktieren.

Virbac Tierarzeinmittel GmbH
Tel. 04531 805111
info@virbac.de
https://de.virbac.com

Quelle: Deutsches Tierärzteblatt, 2025; 73 (5)

18.04.2025

Postalische Einsendungen aus der Schweiz oder dem Vereinigten Königreich nicht mehr möglich

Bei der Einfuhr von Einsendungen aus der Schweiz oder dem Vereinigten Königreich fällt eine Einfuhrumsatzsteuer an, die sich aus dem Wert der Ware – die klar deklariert werden muss – und dem Porto errechnet. Je nach Versanddienstleister können zusätzlich auch noch Zollabfertigungsgebühren anfallen. Diese Tatsache zwingt uns leider dazu, postalische Einsendungen nicht mehr anzunehmen bzw. zu bearbeiten.

Falls Sie dennoch Proben zu Parasitus Ex sicher versenden möchten, ohne dass der Empfänger die Einfuhrkosten tragen muss, gilt es Folgendes zu beachten.

  1. Falls der Absender die Einfuhrumsatzsteuer übernehmen möchte, kann er eine Versandoption wählen, bei der die Verzollung bereits in der Schweiz erfolgt. Der Absender muss selbst die Verzollung korrekt durchführen und es muss eine Zollinhaltserklärung ausgefüllt außen auf der Versandpäckchen angebracht werden.
  2. Es gibt mit dem DDP (Delivered Duty Paid) die Möglichkeit, dass alle Gebühren im Voraus bezahlt werden.
  3. Einige Schweizer Versanddienstleister, wie MH-Direkt oder Zoller Logistics GmbH bieten eine vollständige Zollabwicklung an, sodass das Paket direkt zugestellt wird, ohne dass der Empfänger aktiv werden muss.Wir danke ihnen für ihr Verständnis!

Bitte beim Versand von Proben die aktuellen Portokosten beachten :

Die canine Leishmaniose ist eine Erkrankung, die durch das Protozoon Leishmania infantum verursacht und von Sandmücken übertragen wird. Die klinischen Symptome der Erkrankung sind hochgradig polymorph und beinhalten neben allgemeinen Symptomen wie Gewichtsverlust, Lethargie und Anämie auch spezifische Organveränderungen wie Hautläsionen, Nierenschädigungen und Augenveränderungen. Pathologische Veränderungen an den Augen treten mit einer Prävalenz von bis zu 92% bei Hunden mit Leishmaniose relativ häufig auf. Auch die alleinige Manifestation der Erkrankung an den Augen wird bei 4-16% der erkrankten Hunde beobachtet. Bei diesen Hunden erfolgt der Therapiebeginn häufig stark verzögert, was die Genesungsrate deutlich reduziert. Die Veränderungen an den Augen sind vielfältig und es können nahezu alle Bestandteile des Auges betroffen sein. So können beispielsweise Blepharitis (Entzündung des Lidrandes), periokulare Alopezie (Haarverlust im Augenbereich), Konjunktivitis (Bindehautentzündung), Keratokonjunktivitis (Entzündung von Bindehaut und Hornhaut), Hornhautgeschwüre, Uveitis (Entzündung der Gefäßhaut des Auges), Orbitalphlegmone (Entzündung der Augenhöhle) und auch eine Myositis (Muskelentzündung) der extraokularen Muskulatur auftreten. Viele dieser Erkrankungen sind schwerwiegend und können dramatische Folgen wie Erblindung und Augenverlust haben. Die Rolle des Immunsystems bei der Entwicklung von Symptomen der Leishmaniose-Erkrankung ist gut untersucht. So ist bekannt, dass Hunde mit vorwiegend humoraler Immunantwort oft schwer erkranken, während Hunde mit vorwiegend zellulärer Immunreaktion keine oder geringgradige Symptome zeigen. Von daher ist es nicht erstaunlich, dass auch bei der Pathogenese der Augenveränderungen immunologische Prozesse als Auslöser diskutiert werden. Bislang existieren jedoch nur wenige Studien zu diesem Thema und die immunologischen Prozesse, die bei einer Leishmaniose-Erkrankung am/im Auge ablaufen können, sind größtenteils unaufgeklärt.

Im Rahmen einer nun publizierten Studie wurden Untersuchungen an 53 Hunden durchgeführt, die sich auf natürlichem Wege mit Leishmaniose infiziert hatten und die okulare oder periokulare Veränderungen aufwiesen. Als Kontrollgruppe dienten 10 nicht infizierte Hunde, von denen 5 Tiere gesund waren und 5 Tiere eine Uveitis aufgrund eines Lymphoms entwickelt hatten. Da auch eine Ehrlichiose Augenveränderungen wie beispielsweise Uveitis hervorrufen kann, wurde eine Infektion mit Ehrlichia canis bei allen Hunden der Studie ausgeschlossen. Die ophthalmologische Untersuchung umfasste die Inspektion der Augenlider und des Augapfels mit einer fokalen Lichtquelle und Spaltlampen-Biomikroskopie. Die Augenlinse, der Glaskörper und der Fundus wurden mittels direkter monokularer Ophthalmoskopie und/oder indirekter binokularer Ophthalmoskopie beurteilt. Die Tränenproduktion wurde mit dem Schirmer-Tränentest gemessen. Das Vorhandensein von Hornhautläsionen und die Permeabilität des Tränen-Kanals wurden mittels Fluorescein-Tests überprüft. Der Augeninnendruck wurde mit einem Applanations-Tonometer bestimmt. Bei allen Hunden, die eine Trübung der Augen aufwiesen, wurde zudem eine okulare Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Neben einer Blutprobenentnahme wurde den betroffenen Hunden auch Kammerwasser aus dem Auge entnommen, um sowohl Gesamt-IgG als auch Anti- Leishmania infantum-IgG in beiden Flüssigkeiten mittels ELISA-Test zu bestimmen.

Im Ergebnis wurden bei 51/53 (96,2%) der Hunde bilaterale und bei 38/53 (71,7%) der Hunde symmetrische Veränderungen an den Augen entdeckt. Die meisten ophthalmologischen Befunde entsprachen einer Keratokonjunktivitis (71,7%; 38/53 Hunde), einer Hyperplasie der konjunktivalen Lymphfollikel der Nickhaut (54,7%; 29/53 Hunde) und einer Blepharitis (50,9 %; 27/53 Hunde). Es entwickelten weiterhin 16 Hunde (30,2%) Hornhautgeschwüre unterschiedlicher Tiefe, 11 Hunde entwickelten eine Uveitis (20,7%). Eine Uveitis anterior wurde bei 18,9% der 11 Hunde mit Uveitis beobachtet, bei 9 dieser Hunde (81,8%) entwickelte sich die Erkrankung bilateral. Die Uveitis trat akut fibrinös auf und war gekennzeichnet durch das Vorhandensein eines generalisierten Hornhautödems, tiefer perilimbischer Neovaskularisation, Irisödem und Miosis. Weiterhin wurde bei vielen Hunden ein Abfall des Augeninnendruckes beobachtet. Zwei Hunde mit Uveitis entwickelten zügig ein Sekundärglaukom.

Interessant und möglicherweise praxisrelevant waren vor allem die Ergebnisse der immunologischen Untersuchungen: Bei 73,6% (39/53) der infizierten Hunde wurde spezifisches Anti-Leishmania infantum-IgG im Kammerwasser nachgewiesen. Die Antikörperwerte waren bei Hunden mit Leishmaniose signifikant (sechsfach) höher als bei den Kontrollhunden. Eine Korrelation zwischen spezifischem IgG bzw. Gesamt-IgG in Kammerwasser und Serum desselben Hundes wurde nicht festgestellt. Antikörper im Kammerwasser wurden unabhängig von Antikörpern im Serum gefunden und die Spiegel in Serum und Kammerwasser schwankten auch unabhängig voneinander. Die im Kammerwasser vorhandenen Antikörper waren somit (zumindest nicht in ihrer Gesamtheit) nicht auf eine Übertragung aus dem Blutstrom zurückzuführen, wie zuvor angenommen. Es wurde weiterhin ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Höhe der Antikörperspiegel und der Stärke der klinischen Symptome am Auge festgestellt. Die höchsten Werte von spezifischen Anti-Leishmania infantum-IgG im Kammerwasser wurden bei Hunden mit Uveitis anterior ermittelt. Die Uvea besteht aus einem intensiv vaskularisierten Netzwerk und ist daher sehr anfällig für Entzündungs- und Immunreaktionen. Daher können sowohl die Uvea als auch die Bindehaut die Rolle eines akzessorischen Lymphknotens für das Auge übernehmen.

Bislang ging man eher davon aus, dass die okularen Symptome bei Hunden mit Leishmaniose vor allem durch den Erreger selbst oder durch den Transport löslicher Immunkomplexe aus dem Kreislauf ins Auge ausgelöst werden. Die Ergebnisse der aktuellen Studie unterstützen allerdings die Hypothese einer lokalen Produktion von Antikörpern im Kammerwasser. Diese Antikörper verbinden sich vermutlich mit den lokal vorhandenen Antigenen (Migration von parasitierten Makrophagen) zu Immunkomplexen, welche Entzündungsreaktionen im Auge auslösen. Dass auch im Auge selbst eine humorale Immunantwort zu finden ist, eröffnet möglicherweise neue Therapieoptionen. Inwiefern die aktuell zur Verfügung stehenden Immunmodulatoren allerdings die Blut-Augen-Schranken passieren können, ist aktuell unklar. Vielleicht lassen sich zukünftig lokal am Auge einsetzbare Immunmodulatoren entwickeln, der Bedarf ist nach unserer Einschätzung jedenfalls hoch.

Quelle: Vet Med Sci. 2022 Oct 17; 1-13.

Helfen Sie mit und melden uns aussergewöhnliche Zeckenaktivitäten per Mail an:

susanne.lorentz@parasitus.com

AKTUELLE MELDUNGEN :

07.11.2022

38899 Hasselfelde Richtung Talsperre; vom 30.10.-05.11.2022 hohe Aktivität von Ixodes ricinus und Dermacentor reticulatus, 60-100 Zecken pro Hund und Stunde trotz Repellent.

Zur Info !

Das Hepatozoonose Forum wurde vor einigen Jahren geschlossen.

Stattdessen betreiben wir eine geschlossene nichtöffentliche

Facebookgruppe für Tierhalter deren Tiere den Befund HEPATOZOONOSE erhalten haben.

Interessierte können uns gerne über Email:  anmeldung@hepatozoonose.de  eine Befundkopie zukommen lassen, zusammen mit der Email Adresse, mit der sie bei Facebook registriert sind und der kurzen Bitte um Aufnahme in die Gruppe.

Die Freischaltung/Einladung  zur Gruppe erfolgt dann manuell.

Vielen Dank

Bitte versenden Sie Ihre Proben unbedingt als Maxibrief mit der Deutschen Post, da über lokale Postersatzdienste (z. B. „Brief und mehr“ im Raum Münster) versendete Proben häufig nicht zugestellt werden und diese auch längere Versandzeiten haben.