Überblick Filariosen

Floh Stechmücke Mikrofilarie im Blutausstrich eines Hundes

Allgemeines:
Filarien sind Fadenwürmer, die endoparasitisch leben und verschiedene Organsysteme, das Bindegewebe oder die Haut befallen. Die Larvenstadien werden Mikrofilarien genannt, die adulten Filarien werden als Makrofilarien bezeichnet. Filarien verursachen die sogenannten Filariosen.
Literatur: Parasit Vectors. 2018 Dec;11(Suppl 1):623-649.

Erreger:
Viele verschiedene Arten, die wichtigsten sind:
    Dirofilaria immitis (Herzwurm): 12-30 cm lang, befällt die Pulmonalarterien und das rechte Herz und  verursacht die kardiovaskuläre Dirofilariose.
    Dirofilaria repens (Hautwurm): 5-17 cm lang, befällt die Subkutis und verursacht die kutane Dirofilariose.
    Acanthocheilonema reconditum: 9-26 mm lang, befällt die Subkutis, innere Organe und Körperhöhlen.
    Cercopithifilaria grassii: 10-25 mm lang, befällt die Lymphknoten.
    Cercopithifilaria bainae: 10-25 mm lang, befällt die Subkutis.
    Dipetalonema dracunculoides: 10-55 mm lang, befällt die Peritonealhöhle.
Dirofilaria repens ist eine Zoonose!

Überträger/Übertragung/Wirte:
Überträger:
Dirofilaria: Verschiedene Stechmückenarten.
Acanthocheilonema reconditum
: Hunde- und Katzenfloh.
Cercopithifilaria grassii
: Schildzecken z.B. Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus).
Cercopithifilaria bainae
: Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus).
Dipetalonema dracunculoides
: Lausfliegen.

Übertragung:
Inkubationszeit: 1-6 Monate.
Präpatenz: 6-9 Monate.
Patenz:
    Dirofilaria immitis
: 5-12 Jahre.
    Dirofilaria repens: 5 Jahre.
    Acanthocheilonema reconditum: 2-4 Jahre.
    Cercopithifilaria grassii/bainae: Unbekannt.
    Dipetalonema dracunculoides: Unbekannt.

Wirte:
Dirofilaria: Hund, Katze, Fuchs, der Mensch ist Fehlwirt.
Acanthocheilonema reconditum: Hund, Katze, Fuchs.
Cercopithifilaria grassii/bainae: Hund.
Dipetalonema dracunculoides: Hund, Katze, Fuchs.

Verbreitung:

siehe Karte

Dirofilaria: Afrika, Amerika, Asien, Europa: Vorwiegend Süd- und Osteuropa, Finnland, Süddeutschland.
Acanthocheilonema reconditum: Amerika, Asien, Südeuropa.
Cercopithifilaria grassii: Afrika, Südamerika, Zentralitalien.
Cercopithifilaria bainae: Weltweit.
Dipetalonema dracunculoides: Asien, Afrika, Portugal, Zentral- und Südspanien.

Diagnostik:
Direkter Erregernachweis: Nachweis von Mikrofilarien durch Giemsa-gefärbten Blutausstrich oder Anreicherungstest (Knott-Test). Die Mikrofilariendichte bei Dirofilaria immitis unterliegt tageszeitlichen Schwankungen. Für den Nachweis von Mikrofilarien ist eine PCR-Untersuchung möglich. Bei positiver PCR ist eine anschließende Differenzierung unbedingt nötig. Der Dirofilarien-Antigen-Test detektiert ein Geburtsprotein, welches während der Geburt der Mikrofilarien ins periphere Blut freigesetzt wird (ausschließlich für die Detektion von Dirofilaria immitis geeignet). Dirofilaria immitis kann häufig auch per Echokardiographie nachgewisen werden.
DD: Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz, Leberinsuffizienz.
Cave: Die Differenzierung und Dichtebestimmung der Mikrofilarien muss unbedingt vor Therapiebeginn erfolgen!

Symptome:
Dirofilaria immitis: Führt zur Herzwurmerkrankung mit chronischem Husten, blassen Schleimhäuten, Würgen, Erbrechen, Dyspnoe, Tachypnoe, Aszites, und abnehmender Belastbarkeit. Als Folge eines starken Befalls treten Rechtsherzinsuffizienzen, Thrombosen, Hämolyse, Leber- und Niereninsuffizienzen auf. Ein schwacher Befall bei stabilem Immunsystem kann subklinisch verlaufen.
Dirofilaria repens: Führt zur Hautwurmerkrankung mit schmerzlosen Unterhautverdickungen, Abszessen, Hautläsionen und Juckreiz. Bei vielen Tieren verläuft die Erkankung subklinisch.
Acanthocheilonema reconditum: Kann zu Juckreiz, Haarausfall, Exzemen und Unruhe führen.
Cercopithifilaria bainae: Juckreiz im Bauchbereich mit Automutilation und Verhaltensauffälligkeiten.

Ein Befall mit Dipetalonema dracunculoides und Cercopithifilaria grassii verläuft in der Regel asymptomatisch, möglicherweise sind diese Filarien als apathogen einzustufen.

Labor:
Dirofilaria immitis: 
Blut:
Gesamteiweiß (TP) ↑, Albumin ↓, γ-Globuline ↑, Eosinophile (EOS) ↑. Im weiteren Verlauf auch: Erythrozyten (RBC) ↓, Hämatokrit (HCT) ↓, Leberenzyme (ALT, AST, LDH) ↑, Kreatinin     (Crea) ↑, Harnstoff (Urea) ↑.
Urin:
Hämoglobin ↑, Eiweiß-Kreatinin-Quotient (UPC) ↑

Dirofilaria repens/Acanthocheilonema reconditum:

Blut: Eosinophile ↑.

Behandlung:

Cave:
Vor Therapiebeginn muss eine Dichtebestimmung und Differenzierung der Mikrofilarien erfolgen!

Dirofilaria immitis:
Wird bei asymptomatischen Hunden (keine Klappenschäden, kein Stauherz, keine Gefäßschäden) mit einem Antibiotikum in Kombination mit einem zugelassenen makrozyklischen Lakton therapiert:
Parasit Vectors. 2017 May;10(1):245-251.
Dirofilaria repens:
Therapie siehe Beipackzettel zugelassenes makrozyklisches Lakton.
Andere Filarienarten: Kein Protokoll vorhanden. Bitte für individuelle Therapieempfehlungen Rücksprache mit uns halten.

Vorbeugung:
Zum Beispiel permethrinhaltige und flumethrinhaltige Spot ons und/oder Halsbänder. Lassen Sie sich in diesem Fall rechtzeitig vor Reiseantritt von uns oder ihrem Tierarzt beraten.