Informationen zur Brucellose

Aufgrund einiger Nachfragen möchten wir an dieser Stelle Informationen zur Erkrankung Brucellose zur Verfügung stellen.

Brucellen: Bei Brucellen handelt es sich um gramnegative Stäbchenbakterien der Gattung Brucella. Brucellen sind obligat intrazellulär, können bei Umgebungstemperaturen aber in Urin, Staub, Wasser oder Erde und insbesondere auch in Milch und Milchprodukten mehrere Tage bis einige Wochen überleben. Beim Hund spielt der Erreger Brucella canis die Hauptrolle. In Europa extrem selten (Einzelfälle) sind aber auch Infektionen mit Brucella suis, Brucella abortus und Brucella melitensis möglich. Im Jahr 2018 wurde ein Fall von Brucella suis bei einem Hund in Holland beschrieben, die Ansteckung erfolgte vermutlich über Rohfleischfütterung (BARF), wobei das Fleisch in dem Fall aus Argentinien bezogen wurde. Im Jahr 2017 wurde ein Fall von Brucella abortus  bei einer Hündin in Jena beschrieben, welche unter Pyometra litt. Der Erreger Brucella melitensis spielt mittlerweile bei Hütehunden im Iran eine größere Rolle, in Europa scheinen noch keine Fälle bekannt zu sein.

Brucella canis:

Vorkommen: Weltweit, in Europa vor allem Rumänien, Ungarn, England, Südfrankreich, Spanien und Polen. Es wird allgemein angenommen, dass Länder mit einer großen Population streunender Hunde eine höhere Infektionsprävalenz aufweisen.

Infektionsverlauf: Der Erreger gelangt über die Schleimhaut und kleinere Hautverletzungen in den Organismus, wo er von phagozytierenden Makrophagen aufgenommen und zu den Geschlechtsorganen und den Organen des Lymphsystems transportiert wird. Der Erreger wird über Kot, Urin, Milch, Sperma, Vaginalausfluss und Fruchtwasser infizierter Tiere ausgeschieden. Die Übertragung erfolgt aber in der Regel über den Deckakt, manchmal auch oral durch Aufnahme infizierter Plazenten, abortierte Feten oder über kontaminierten Vaginalausfluss, Fruchtwasser oder Urin. Rüden übertragen den Erreger mit dem Sperma vor allem 6-8 Wochen nach der Infektion. Mit steigendem Abstand zum Infektionszeitpunkt verringert sich zwar die Keimzahl, jedoch kann eine persistierende Ausscheidung noch mindestens 2-3 Jahre (teilweise sogar bis zu 5,5 Jahre) nach der Infektion beobachtet werden. Bei der Hündin erfolgt die Ausscheidung von Brucella canis über den Urin für mindestens drei Monate nach Infektion. Eine Übertragung des Erregers zwischen Hunden ist auch durch eine Bluttransfusion denkbar.

Symptome: Nach ein bis vier Wochen kommt es bei den betroffenen Hunden zu Bakteriämie und Lymphangitis, teilweise auch mit Fieber. Antikörper werden jedoch erst vier bis zwölf Wochen nach der Infektion gefunden. Die Bakteriämie kann mehrere Monate bestehen und so lange sind auch hohe Antikörpertiter nachweisbar. Wenn der Erreger sich ins Gewebe zurückzieht und keine Bakteriämie mehr vorherrscht, sinken die Antikörpertiter wieder ab. Die Erkrankung persistiert im Tier zwischen sechs Monaten und 5,5 Jahren.

Symptome Rüden (oft schubweise): Hoden- und Nebenhodenentzündung, Skrotaldermatitis, Hodenabszesse, Sterilität, steifes Laufen auf den Hintergliedmaßen (Schmerzen).

Symptome Hündin: Aborte zwischen dem 45. und 50. Trächtigkeitstag, anschließend oft Metritis und Sterilität der Hündin. Welpen sterben häufig in den ersten Tagen nach der Geburt.

Weitere Symptome (beide Geschlechter): Spondylitis, Spondylosen, Osteomyelitis, Dermatitis, Uveitis, Meningoencephalitis.

Diagnostik: Der Nachweis der Brucellen gestaltet sich nicht ganz einfach, Antikörper im Serum sind frühestens drei bis acht Wochen nach Infektion mittels Objektträgeragglutinationstest oder ELISA möglich. Bei positiver Serumagglutination sollte das Ergebnis unbedingt mittels Blutkultur überprüft werden, da die routinemäßig verfügbaren Serumagglutinationstests oft falsch positive Ergebnisse ergeben. Eine Vorbehandlung der Serumprobe mit 2-Mercaptoethanol reduziert die Anzahl falsch positiver Proben. Erreger können meist in Proben aus Sperma, Urin oder Abortmaterial nachgewiesen werden, der Nachweis über die Blutkultur ist der Goldstandard. Brucellen können bei infizierten Tieren in der Blutkultur ein bis fünf Monate nach der Infektion relativ sicher nachgewiesen werden. Sechs bis zwölf Monate nach Infektion sind noch über 80 Prozent der Proben positiv, ab dem zwölften Monat gelingt der Nachweis nur noch bei etwa 50 bis 80 Prozent der infizierten Tiere. In Urinproben lassen sich Brucellen meist innerhalb von zwei bis fünf Monaten und in Spermaproben innerhalb von 12 Monaten nach der Infektion nachweisen. Der Labordienstleister IDEXX hat für den Hund 2019 eine Publikation mit PCR-Test auf Brucella spp. veröffentlicht.

Therapie: Mögliche Therapieversuche beinhalten eine antibiotische Behandlung mit Tetracyclin, Dihydrostreptomycin, Gentamycin, Minocyclin, Doxycyclin oder der Wirkstoffgruppe der Fluorochinolone, wobei in der Regel mit einer Kombination verschiedener Antibiotika behandelt wird. Die Therapie führt allerdings selten zu einer Erregerelimination, da sich die Brucellen eher intrazellulär aufhalten. Als wenig erfolgversprechend gelten Monotherapien. Häufig treten schubweise Bakteriämien auf, die immer wieder therapiert werden müssen. Es ist zudem nachgewiesen, dass sich der Erreger aus der Prostata nicht eliminieren lässt, da die Antibiotika das Gewebe hier kaum erreichen. Betroffene Rüden sollten zur Verringerung der Erregerausscheidung unbedingt kastriert werden, ein gewisses Infektionsrisiko für andere Hunde und Menschen bleibt jedoch weiter bestehen.

Mensch: Eine Infektion des Menschen mit dem Erreger Brucella canis erfolgt nur in seltenen Fällen, viel stärker humanpathogen sind Brucella melitensis (Maltafieber), Brucella suis und Brucella abortus (Morbus Bang). Eine Übertragung von Brucella canis auf den Menschen geschieht meist über Blut, 90 % der Infektionen verlaufen subklinisch oder mit milden und unspezifischen Symptomen (Fieberphasen mit Lymphknotenschwellung). Die antibiotische Therapie zeigt beim Menschen deutlich bessere Erfolge als beim Hund, hier wird in der Regel mit Tetracyclinen (ggf. zusätzlich Streptomycin) therapiert. Insgesamt scheinen für eine Infektion mit Brucella canis eher Hundezüchter und Veterinärmediziner (Blutentnahme) gefährdet zu sein, Hundebesitzer haben nur ein geringes Risiko. Laut dem infektionsepidemiologischen Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten des Robert-Koch-Instituts wurden dem RKI im Jahr 2019 37 Brucellose-Erkrankungen übermittelt (17 Männer und 20 Frauen). Für 30 Erkrankungen wurde mindestens ein wahrscheinliches Infektionsland genannt (31 Nennungen), für 25 Erkrankungen (83%) lag dieses im Ausland (25 Nennungen). Am häufigsten wurden hier die Türkei (6 Nennungen), der Irak (5) und Spanien (3) genannt. Bei 18 von 18 Erkrankungen mit Angaben zur Erregerdifferenzierung wurde Brucella melitensis als Erreger angegeben. Es wurden keine Todesfälle aufgrund von Brucellose übermittelt. In Deutschland wird allerdings nicht speziell auf Brucella canis getestet, der Erreger fällt unter Brucella spp.

Achtung: Die Brucellose beim Menschen ist gemäß Infektionsschutzgesetz meldepflichtig. Dem Gesundheitsamt muss gemäß § 7 Abs. 1 IfSG der direkte oder indirekte Nachweis von Brucella spp., soweit er auf eine akute Infektion hinweist, namentlich gemeldet werden.

Empfehlungen für die Praxis: Der Erreger ist wenig widerstandsfähig in der Umwelt und wird durch alle gängigen Desinfektionsmittel abgetötet. Brucellen werden auch in wässriger Suspension durch Temperaturen von mehr als 60 °C innerhalb von 10 Minuten abgetötet. Infizierte Tiere sollten unbedingt kastriert werden, um die Erregerausscheidung zu verringern. Tierärzte sollten Handschuhe bei der Blutentnahme tragen, wenn bei einem Hund der Verdacht auf Brucellose besteht.

Quellen:
Robert-Koch-Institut.
Bundestierärztekammer.
Canine Brucellose - eine unterschätzte Zoonose? Axel Wehrend, Sandra Goericke-Pesch, Klinik für Geburtshilfe, Gynäkologie und Andrologie der Groß- und Kleintiere mit Tierärztlicher Ambulanz, Justus-Liebig-Universität Gießen.
Canine Brucellose - Ein Globalisierungsproblem? Mima Hohmann, Deutsches Tierärzteblatt 08/2012.