Erste menschliche Okularinfektion mit Onchocerca jakutensis in Polen nachgewiesen

 

Filarien der Gattung Onchocerca können sowohl bei verschiedenen Wild- und Haustierarten als auch beim Menschen die vektorübertragene Erkrankung Onchozerkose auslösen. Die Krankeit, die beim Menschen durch die Art Onchocerca volvulus verursacht wird, führt zur sogenannten Flussblindheit, die vor allem in den tropischen und subtropischen Gebieten Afrikas und Südamerikas bekannt ist. Überträger dieser Erkrankung sind blutsaugende Kriebelmücken der Gattung Simulium, deren Larven vor allem in Fließgewässern vorkommen. Einige Arten der Gattung Onchocerca gelten als Zoonose und können somit auch den Menschen gefährden. Eine davon ist Onchocerca jakutensis, diese Art wurde bereits in Ländern wie der Schweiz, Polen und Deutschland bei Rothirschen nachgewiesen. In der Schweiz konnte in einer Studie von 2016 gezeigt werden, dass bereits 24% der Rothirschpopulation von adulten Würmern befallen ist.

Vor kurzem wurde nun die weltweit erstmalige okulare Infektion mit Onchocerca jakutensis beim Menschen bekannt. Bei dem von polnischen Wissenschaftlern beschriebenen Fall handelt es sich um einen ansonsten gesunden 39 Jahre alten männlichen Patienten, welchem mittels chirurgischer Maßnahme eine Filarie aus dem Glaskörper des linken Auges entfernt werden musste. Der Mann lebt in Westpolen in einem ländlichen, von Wäldern umgebenen Bereich nahe der deutsch-polnischen Grenze und hat diese Gegend nie verlassen, so dass von einer autochthonen Infektion ausgegangen werden muss. Mittels morphologischer Untersuchung, Sequenzierung und phylogenetischer Analyse konnte die Filarie eindeutig der Art Onchocerca jakutensis zugeordnet werden. Der Patient hatte durch den etwa 25 mm langen Wurm keine Schmerzen, berichtete jedoch von eingeschränkter Sicht und Fremdkörpergefühl. An einen Insektenstich in der Periokularregion oder im Gesicht konnte er sich nicht erinnern. Die chirurgische Entfernung gestaltete sich aufgrund der Beweglichkeit des Wurmes als außerordentlich kompliziert, ein Teil des Glaskörpers musste entfernt, die Sehkraft konnte jedoch erhalten werden. Die okuläre Klinik des hier beschriebenen Patienten überrascht, da der Parasit im Erregerreservoir Rothirsch eher subkutane Hautknoten (Onchozerkome) im Bereich von Hals, Gesicht und äußerem Oberschenkel verursacht, welche die Makrofilarien beherbergen.

Inwieweit solche Infektionen auch bei uns zukünftig regelmäßiger auftreten, bleibt abzuwarten. Die Behandlung dieser Erkrankung gestaltet sich jedenfalls nicht ganz einfach, da das in anderen Ländern zur Therapie genutzte Präparat bei uns nicht in dieser Indikation zugelassen ist. Zudem tötet dieses Therapeutikum lediglich die Mikrofilarien, während adulte Würmer oftmals chirurgisch entfernt werden müssen.

Quellen:

https://parasitesandvectors.biomedcentral.com/articles/10.1186/s13071-020-3925-6

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5005430/